Vernissage “ICH BIN VIELE”
Acht Jugendliche der Carlo-Schmid-Schule arbeiteten im Rahmen des Projektes „ICH BIN VIELE“ mit den Künstlerinnen Christine Huss und Katja Wüstehube zusammen. In den Räumen der Jugendkunstschule im Jugendbildungswerk stellten sie Malereien, Zeichnungen und Objekte aus unterschiedlichen Materialien her. Ihre Arbeitsergebnisse wurden am Freitag, den 27. Februar 2026, im Rahmen einer Vernissage präsentiert. Anschließend war die Ausstellung bis zum 9. März öffentlich zugänglich. Gefördert wurde das Projekt von der Franz-Xaver-und-Emma-Seiler-Stiftung. Die 16-jährigen Jugendlichen waren aktiv an der Ausstellungsplanung beteiligt. Sie entschieden mit, welche Werke gezeigt wurden, wo diese aufgehängt wurden und wie der Abschluss des Projektes stattfinden sollte. Das Projekt fand an drei Vormittagen statt, jeweils drei Stunden lang. Unterstützt wurden die Teilnehmenden dabei von den Künstlerinnen Christine und Katja. Insgesamt entstanden sechsundfünfzig Werke.
Am Montag stieg die Gruppe intensiv mit Kohlezeichnungen ein. Dabei experimentierten die Jugendlichen mit tiefen Schwarztönen und erprobten verschiedene Techniken im Umgang mit Kohle. Am Dienstag arbeitete die Gruppe sehr vertieft an Collagen zum Thema Selbstwahrnehmung, Fremdwahrnehmung und Identitätsfindung. Zunächst versuchten die Teilnehmenden, das eigene Gesicht sowie die Gesichter anderer wahrzunehmen und in Form von Zeichnungen und Malereien darzustellen. Dabei wurden sowohl Schwarz-Weiß-Töne als auch Farben verwendet. Zu einem späteren Zeitpunkt formten sie außerdem Drahtgesichter im Maßstab des eigenen Kopfes und gestalteten diese nach ihrem eigenen Aussehen. Zusätzlich fertigten einige Teilnehmende kleine Gesichtsskulpturen an. Bei den Collagefiguren wurde die Umrissform eines Menschen als Ausgangspunkt genommen. Die Jugendlichen setzten sich damit auseinander, was sie gerade anspricht, wohin ihre Reise gehen könnte, was sie sich wünschen und vorstellen. Ihr Innenleben sollte dabei in einer äußeren Form sichtbar gemacht werden. Die Künstlerin Christine betonte im Interview, dass Collagen als künstlerisches Material besonders geeignet seien, um zu zeigen, was eine Person wahrnimmt, was sie sich wünscht, welche Ängste sie hat und welche Themen sie beschäftigen. Am letzten Tag wurde schließlich mit Ton gearbeitet. Laut den Künstlerinnen waren die Jugendlichen „eine äußerst sympathische Gruppe“, die sich sehr gut mit dem Thema auseinandergesetzt habe. Dies habe die Zusammenarbeit erleichtert. Im Laufe der Woche fühlten sich die Teilnehmenden zunehmend wohler und konnten sich dadurch besser öffnen.
Natürlich gab es auch Herausforderungen, zum Beispiel die kurze Zeitspanne, in der die Gruppe arbeitete, da das Projekt auf drei Tage begrenzt war. Außerdem waren die unterschiedlichen Entwicklungsstufen der 16-jährigen Teilnehmenden spürbar, da sie sich in einer Lebensphase der Weiterentwicklung befinden. Gerade deshalb waren die Themen Identität, Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung besonders bedeutsam und passend.
Einer der größten Vorteile der Kunst liegt in ihrem heilenden Potenzial. Kunst eröffnet neue Perspektiven auf verschiedene Themen und bietet die Möglichkeit, sich intensiv mit ihnen auseinanderzusetzen. Durch das Projekt fanden die Jugendlichen einen Zugang zur Kunst, obwohl sie an ihrer Schule nicht am Kunstunterricht teilnehmen. Stattdessen erhielten sie im Rahmen des Projektes die Chance, mit vielen unterschiedlichen Medien zu arbeiten. Darüber hinaus stärkte sich die Selbstbehauptung der Teilnehmenden durch die neu gesammelten Erfahrungen. Sie entwickelten neue Kompetenzen, wodurch auch ihr Vertrauen wuchs, selbst ohne vorherige Erfahrung neue Ziele erfolgreich erreichen zu können.